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Wandzeitungen an der "Mauer der Demokratie", Xidan-Kreuzung in Peking, Dezember 1978

Die folgenden Fotos ermöglichen einen interessanten Einblick in die frühe Phase der Pekinger "Mauer der Demokratie", ein paar Tage nachdem Deng Xiaoping sich in mehreren Gesprächen mit ausländischen Journalisten und Politikern positiv zu Kritik und offenen Debatten, auch zu politischen Themen, geäußert hat.

Viele der Wandzeitungen behandeln persönliche Klagen über Missstände und während der "Kulturrevolution" erlittenes Unrecht, um in "offenen Briefen" an wichtige Staats- und Parteiführer Rehabilitierung und Wiedergutmachung zu verlangen. Auch politische Grundsatzfragen wie Meinungsfreiheit, Demokratie oder Polizei- und Behördenwillkür werden thematisiert. Immer wieder erheben Autoren die Forderung nach einer Neubewertung der "Kulturrevolution" und der Mao-Ära, die zu diesem Zeitpunkt immer noch als politisch unantastbar gelten

Die Fotos in diesem Abschnitt wurden von dem französischen Sinologen Alain Peyraube zur Verfügung gestellt. Er hat die Pekinger Demokratiemauer in der letzten Dezemberwoche 1979 besucht.

"Ein Warnschuss für Genossen Lin Hujia"

"Wie der Anti-Zhou-Clown ins Netzt ging - schützt Premierminister Zhou, schützt die Mauer der Demokratie wie Euren Augapfel"

"Büro für Öffentliche Sicherheit in Peking: Gebt mir mein Leben zurück! (Was einem Jugendlichen des Neuen China widerfahren ist)"

"Der Tiananmen-Zwischenfall - China und seine Geheimpolizei"

Eine Wandzeitung des bekannten Bürgerrechts-Aktivisten Ren Wanding

"Eine Zeitung mit kleinen Schriftzeichen"

... kritisiert Polizei in Zivil, die die Pekinger Mauer der Demokratie beobachtet.

Gedichte eines "Einfachen Bürgers"



Leser kritzeln oft Kommentare und Anmerkungen neben die Wandzeitungen.

"... wir brauchen keinen Personenkult"

Leider fehlen die Seite eins und ein Teil der Überschrift dieser Wandzeitung, die sich mit dem ausufernden und "unmarxistischen" Personenkult unter Mao befasst.

"Offener Brief an der Vorsitzenden Hua"

Ein Fall politischer Verfolgung in der Provinz Henan während der "Kulturrevolution".

Kommentare...

... von Lesern hinzugefügt, auf einem Exemplar der Zeitschrift "Forum 5. April", das an der Mauer der Demokratie angebracht wurde.

"An die Leser"

Ein Fall mutmaßlicher Polizeifolter mit Todesfolge.

"Dialog: Debatte über Bildung"

"Nicht der Rede wert"

"Gebt mir die Seele, die Jugend, Fortschritt und Erleuchtung zurück"

"Das Parteikomitee der Kriegsmarine muss sich für die Rehabilitierung der Opfer einsetzen"

Aufarbeitung der politische Verfolgung in den Streitkräften während der "Kulturrevolution".

"Oh, Partei! Gebt mir bitte wieder ein Schreibwerkzeug! Offener Brief an die Parteiorganisation des Chinesischen Schriftsteller-Verbandes"

"Ein Lob der Mauer der Demokratie"

Die Zeitschrift "Jintian" (Heute) mit einem Holzdruck von Ma Desheng

Die meisten Zeitschriften der Demokratiebewegung wurden am Erscheinungstag nicht nur an der "Mauer der Demokratie" verkauft, in der Regel wurde auch eine vollständige Nummer an der Mauer aufgeklebt, für all jene, die die Zeitschrift nicht mehr ergattern konnten oder sie nicht unbedingt kaufen wollten.

Weitere Wandzeitungen...

Klage über Polizeiübergriffe
"Der Hund mit dem blauen Fell - ins Netz gegangen"

Unterstützung für die Arbeiter in der Hauptstadt


Schrift:

Die chinesische Demokratiebewegung 1978-1981 – Erinnerungen der damaligen Akteure

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