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Die Mauer der Demokratie in Shanghai (März 1979)

Shanghai hatte - so wie etliche andere Großstädte in China - seine eigene Version der Demokratiemauer. Sie befand sich beim "Volkspark" in der näher der Huaihai Middle Road. Die folgenden Schwarzweißfotos von Wandzeitungen in Shanghai wurden vom französischen Sinologen Alain Peyraube zur Verfügung gestellt. Er war im März 1979 in Shanghai.

"Ein Brief an den Genossen Peng Zhen vom Nationalen Rechtskomitee und an Zhao Cangbi, den Minister für Öffentliche Sicherheit"

"Die für öffentliche Sicherheit zuständigen Stellen müssen gemäß der Verfassung und der staatlichen Bestimmungen über Festnahmen und Inhaftierung handeln und Fu Yuehua unverzüglich freilassen". Dabei handelt es sich um jene Frau, die Ende 1978, Anfang 1979 in Peking Proteste der sogenannten "Beschwerdeführer" organisiert hatte und deshalb Mitte Januar verhaftet wurde.

"Mein Offener Brief an den Stellvertretenden Vorsitzenden Chen Yun"

"Rettet unsere Fabrik!!!"

"Liebe 'Gebildete Jugend' aus Shanghai in Xinjiang:"

"Beschwerde an den Vorsitzenden Hua"

 

"Der jüngste Fall von Unrecht"

"Nachrichten der Beschwerdeführer in Kürze (Nr. 1)"

"Mein vierter Offener Brief an den Vorsitzenden des Zentralkomitees der Partei, Hua, und den Vizevorsitzenden Deng"

"Offener Brief an den Vorsitzenden Hua Guofeng"

... von einem "Vertreter der Beschwerdeführer aus Shanghai, der zu früh verheiratet wurde", und jetzt in die Stadt zurück will.

"Ein Brief an den Genossen Deng Xiaoping"

Ein "Gebildeter Jugendlicher" (unter Mao in den 1960er-Jahren in entlegene Gebiete verschickter Mittelschüler) beklagt sich über die harschen Lebensbedingungen dort.

"Jia Xiao beschuldigt den 'Lin-Biao-Kurs' in der Luftwaffe der blutigen Verwüstung"

"Protokoll der Nachforschungen im Fall Fu Yuehua durch Vertreter verschiedener Pekinger Zeitschriften und Organisationen des Volkes"

Wei Jingsheng und weitere Demokratie-Aktivisten suchten Verantwortliche des "Gongdelin"-Polizeigefängnisses auf, um Nachforschungen über die Festnahme von Fu Yuehua anzustellen. (Die Aktivistin hatte im Ende 1978/Anfang 1979 Protestmärsche von "Beschwerdeführern" organisiert und wurde Mitte Januar verhaftet). Wei Jingsheng hatte speziell für dieses Treffen vom französischen Sinologen (und Botschaftsmitarbeiter) Emmanuel Bellefroid ein Tonbandgerät erworben, um dieses Gespräch aufzuzeichnen und zu publizieren.

"Demokratie oder eine neue Diktatur"

Das Foto zeigt die erste Seite der berühmten Wandzeitung von Wei Jingsheng, die nur wenige Tage zuvor erstmals an der Pekinger "Mauer der Demokratie" und in der Zeitschrift "Tansuo" (Erkundungen) veröffentlicht wurde. Aufgrund dieses Textes, der u.a. Deng Xiaoping vorwarf, ein "Diktator wie Mao" zu sein, wurde Wei am 29. März verhaftet und später zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Wandzeitung illustriert auch beispielhaft, wie rasch wichtige politische Texte aus Peking auch in anderen Städten publik wurden. Die Shanghaier Wandzeitung erschien kaum einen oder zwei Tage nach der ersten Veröffentlichung in Peking.

"Demokratie und Diktatur" - "Menschenrechte und Gesetz"

"Was mit mir passiert ist - als ich dachte, jeder sei gleich vor dem Gesetz"

"Bitte zwei Wochen hängen lassen" - solche und ähnliche Anmerkungen standen oft bei den Wandzeitungen. Aus Platzgründen klebten die Autoren ihre neuen Zeitungen gerne über die von anderen, die dadurch oft nur einige Tage oder Stunden zu lesen waren. So gesehen litt die neue Meinungsfreiheit manchmal unter der Anarchie der Veröffentlichungen.

Verschiedene andere Wandzeitungen und Parolen ...

"Song of Love"


Schrift:

Die chinesische Demokratiebewegung 1978-1981 – Erinnerungen der damaligen Akteure

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