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Die Demokratiebewegung in den internationalen Medien

Von Anfang an erregten die Wandzeitungen der chinesischen "Dissidenten" und die unabhängigen Medien mit ihren Forderungen nach mehr Demokratie, Menschenrechten und einer Abrechnung mit der Mao-Ära die Aufmerksamkeit der ausländischen (und vor allem auch der Hongkonger) Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehjournalisten.

1978 gab es noch sehr wenige fest in Peking akkreditierte Korrespondenten, insgesamt weniger als 50. Die meisten von ihnen vertraten Staats- und Parteimedien aus den kommunistischen Ländern, die eher nachrichtendienstliche Aufklärungsarbeit für ihre Regierungen als echte journalistische Berichterstattung betrieben.

Die großen westlichen Nachrichtenagenturen (Reuters, UPI, AP, AFP, ...) waren allerdings vertreten, dazu einige wichtige Leitmedien etwa aus Frankreich, Großbritannien, Japan oder Deutschland. Einzige zugelassene westliche Fernsehstation war damals das CTV (Kanada). US-Medien waren bis zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen (Januar 1979) nur in Hongkong präsent, US-Journalisten kamen nur zu bestimmten Anlässen nach Peking.

Mit der 1978 eingeleiteten Reform- und Öffnungspolitik Chinas wurden auch deutlich mehr westliche Journalisten in Peking akkreditiert, und immer mehr von ihnen waren auch der chinesischen Sprache mächtig. Auch persönliche und mediale Kontakte zwischen Ausländern und Chinesen wurden in dieser Zeit viel leichter, bis 1978 hatten Chinesen für private Gespräche und Treffen mit Fremden noch Polizeiverhöre und Gefängnis riskiert.

Das mediale Interesse an der politischen Wende und den gesellschaftlichen Veränderungen in China richtete sich daher ab Ende 1978 sehr stark auf die Regimekritiker, auf die neuen kulturellen Ausdrucksformen und die Veränderungen im Alltag und auch im Denken vieler Chinesen.

Ende 1978 und Anfang 1979 brachten die Nachrichtenagenturen und großen internationalen Zeitungen fast täglich Berichte aus China, die tagesaktuellen Medien blieben aber oft an den oberflächlichen Ausformungen des "Pekinger Frühling" hängen, nur wenige brachten tiefergehende Recherchen oder persönliche Interviews mit den Akteuren. (So merkte etwa der führende Aktivist Xu Wenli an, dass das Gespräch mit dem Autor Helmut Opletal im Juni 1979 sein erstes mit einem ausländischen Journalisten gewesen ist!)

Viele westliche Zeitungen zeichneten auch Parallelen zu den damaligen Dissidentenbewegungen in Osteuropa, v.a. in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Auch über repressive Maßnahmen der Regierung, die Verhaftung und Verurteilung prominenter chinesischer Regimekritiker wurde ausführlich berichtet, oft auch in Zusammenhang mit der Frage, wie weit westliche Regierungen Einfluss auf die Entwicklungen in China nehmen sollte.

Die chinesischsprachigen (und auch einige englischsprachige) Medien in der damals noch britischen Kronkolonie Hongkong berichteten besonders ausführlich über die Entwicklungen in China. Die große unabhängige Tageszeitung "Ming Pao" (明报) sowie verschiedene Wochen- und Monatsmagazine verfügten auch über eigene Quellen, die sie mit Fotos, Interviews und Informationen aus Peking, Shanghai oder Kanton (Guangzhou) versorgten, vor allen einige Zeitschriften wie "Observer" (Guanchajia 观察家), "Zhengming" (争鸣), "The Seventies" (70年代) oder "Dongxiang" (动向) waren sogar auf eine ausführliche Berichterstattung über gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen und politische Insiderinformationen aus der kommunistischen Volkrepublik spezialisiert.

Schon im Laufe des Jahres 1979 flachte des internationale mediale Interesse an der chinesischen Demokratiebewegung etwas ab. Wirtschaftliche Themen oder Chinas neu definierte internationale Beziehungen rückten stärker in den Mittelpunkt der Berichterstattung.

Als - sehr unvollständige und nur kursorische - Illustration für die Berichtersttung internationaler Medien dienen hier einige typische Beispiele von Agentur- und Zeitungsberichten aus der damaligen Zeit:

 

 

Agence France Press (deutsch), 5.1.1979
Die britische Agentur "Reuters" vom 5.1.1979 über bevorstehende Demonstrationen
"Frankfurter Allgemeine Zeitung", Korrespondentenbericht, 2.4.1979

"International Herald Tribune", 12.11.1979, mit einem AP-Korrespondentenbericht von Victoria Graham über die Verhaftung von Regimekritikern im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Wei Jingsheng
"Süddeutsche Zeitung", mit einer Analyse des Korrespondenten Hans Boller vom 21.12.1979

Ein Bericht des "Spiegel" (Nr.48, 1979) über die Pekinger Avantgardekunst-Szene und eine Open-Air-Ausstellung von fünf Künstlern aus der Provinz Guizhou an der Pekinger "Mauer der Demokratie"

"Ming Pao" (Hongkong), 22.3.1979, "Deng Xiaoping warnt vor zu extremer Demokratie"
"Ming Pao" (Hongkong), 29.3.1979, "Menschenrechtsaktivisten wehren sich gegen Unterdrückung"
"Ming Pao" (Hongkong), 14.4.1979, Analyse und Bericht über die Verhaftung von Demokratie-Aktivisten

Zeitschrift "Dongxiang" (Hongkong, 1979), u.a. mit einer Diskussion zum verurteilten Dissidenten Wei Jingsheng
Zeitschrift "Observer" (Guanchajia), Hongkong, 1979, kündigt auf der Titelseite einen Bericht über die Demokratiebewegung in der Stadt Wuhan und über die "Gesellschaft für Aufklärung" an
Zeitschrift "The Seventies" (Qishi Niandai), Hongkong, 1981, mit einem Holzschnitt von Ma Desheng aus der "Sterne"-Ausstellung von 1980 auf dem Cover

Schrift:

Die chinesische Demokratiebewegung 1978-1981 – Erinnerungen der damaligen Akteure

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